Die Geschichte der Hausaufgabenhilfe Zinsenbach

Ein Bericht von Wolfgang Münch

 

Die Ausgangslage

Von 1974, Einweihung der Hauptschule Haardter Berg, bis 1993 war ich Lehrer an dieser Schule. Die Hauptschule an sich war damals eine von den Kindern von Handwerkern, Geschäftsleuten und Arbeitern gut angenommene Sekundarschule mit gutem Ruf. Es stellte sich für mich bald heraus, wenn ich so sagen darf, dass es eine Problemgruppe gab, die von den Kindern der Gastarbeiter gebildet wurde. ­Zunächst waren ja nur ausländische Männer aus (in der Reihenfolge) Italien, Spanien, dem Balkan ­gekommen, danach die Türken. Diese Männer verdienten ihr Geld für harte Arbeit mit Fleiß und Kraft, zunächst weniger mit Bildung oder Berufsabschlüssen. Mit dem Zuzug der Familien und der Kinder strömte nun eine Menge Schulpflichtige verschiedensten Alters in die Schulen; es waren Kinder dabei, die in ihren Herkunftsländern Oberschulen besucht hatten, (die wegen ihrer fehlenden Deutschkenntnisse aber selbstverständlich der Hauptschule zugewiesen wurden,) aber auch manche, die die Schule im Herkunftsland mit 11 Jahren verlassen hatten und bei uns erneut schulpflichtig waren oder auch einige, die eine Schule selten oder nie von innen gesehen hatten. Ihre Eltern konnten ihnen wenig helfen; sie mussten manchmal auch erst davon überzeugt werden, dass (Schul-)Bildung wichtig sei, um so mehr, als sie ja immer wieder unter sich sagten, sie würden irgendwann in ihre Heimatländer zurückkehren.

 

Dieser Meinung waren die staatlichen Institutionen und viele Unternehmen auch; insofern planten sie ­eigentlich überhaupt keine Hilfsmaßnahmen für die gerade geschilderten Problemfelder. Sie hatten ja Arbeitskräfte geholt und nicht daran gedacht, dass es Menschen waren. Bezeichnenderweise gingen viele Initiativen von Privatleuten oder den Kirchen aus (z.B. Opel Hoppmann: Bürgerinitiative Fludersbach, Pfarrei St. Joseph Weidenau: Aktionskreis Ausländische Mitbürger Weidenau), oder auch von einzelnen Lehrern, die unbezahlt nachmittags ausländische Kinder in der Schule zu Sprachkursen versammelten. (In der Haardter Berg Schule nutzte ich jahrelang das Sprachlabor nachmittags mit etwa 10 Kindern, die ich zum Teil mit dem Auto abholte, zum Deutschlernen. Zusammen mit Alfonso Lopez Garcia, später lange Zeit Sozialarbeiter bei der Caritas, zuständig für Migranten, versammelten wir die Eltern der Haardter Berg Schulkinder abends in der Schule, um mit ihnen über die Wichtigkeit der schulischen Bildung zu sprechen.)

Für mich als Lehrer der Haardter Berg Schule zeichnete sich bald Folgendes ab: Die gut bezahlten ­Arbeiter der Stahlwerke, deren Siedlung am Haardter Berg in Schulnähe lag, waren relativ schnell in ­Elternversammlungen zu Interesse und Mithilfe bei der Förderung zu gewinnen.

 

Mit einer anderen Problemgruppe, die es bis heute gibt, war es nicht so leicht. Es handelt sich um die Kinder aus den Wohngebieten, von denen die Schule nachmittags nicht fußläufig zu erreichen war und deren Bewohner, offen ausgesprochen, durchaus auch nicht zu vergleichen waren mit den intakten ­Familien und Strukturen der spanischen oder türkischen Stahlarbeiterfamilien. Hier waren nur Sozialbauwohnungen, in die die Stadt, ebenso offen ausgesprochen, eher ihre sozial schwächeren Mitbürger einwies, auch Asylbewerber ohne Arbeitserlaubnis und viele Alleinerziehende. Ein solches Wohngebiet ist noch heute die „Hochhaussiedlung“ Zur Zinsenbach.

 

Gründung und Aufbau

Es galt jede Menge bürokratische Hürden zu überspringen (eigentlich besser: überkriechen!), denn dies dauerte damals etwa ein knappes Jahr, da der Dienstweg über die Stadt Siegen, von da aus zum Regierungspräsidenten Arnsberg und von da in die Landesregierung nach Düsseldorf führte. Aber es klappte! Weiter...